Über Kopfmorde

Ein lesenswertes Buch von Dr. Bär

Sein jetzt im Lösch-Verlag, Speyer, verlegtes Krimi-Bändchen Kopfmorde - nach dem Studentenbewegungs-Roman Verbrannte Legenden Bärs zweites Buch - besticht in jederlei Hinsicht durch Professionalität. Ein großes Lob auch den Buchmachern, denn selten gelingt es neuen, kleinen Verlagen, derart perfekte Bücher vorzulegen. Da ist nichts von dem Dilettantismus zu finden, der bei solchen Kleinen Reihen für Verdruß zu sorgen pflegt. Sonderbare Kriminalgeschichten lautet der Untertitel des mit einem schönen Umschlag ausgestatteten Bandes. »Sonderbar« im positiven Sinne: Bär ist es gelungen, sich von den gängigen Klischees solcher Texte zu lösen, wie sie bei vielen - gerade großen - Verlagen zu finden sind. Der Deutschlehrer hat seinen eigenen Stil gefunden: ungeheuer präzise und sensibel in der Wortwahl, variabel in Struktur und Diktion seiner Stories: mal kurz, mal lang; mal mit, mal ohne Pointe; mal ironisch, mal ernst. Er meidet die vermeintlich flotten Redewendungen, die in den Bestseller-Krimis so üblich sind, und setzt auf akribisches Feilen am Text. Da sitzt jede Metapher; man hat nie das Gefühl, einen guten Lektor zu vermissen. Ein Aufwand, der sich gelohnt hat: Herausgekommenen ist wirkliche Literatur,  die über den Tag hinaus zu bestehen vermag und dennoch unterhaltsam ist. Worum es in den einzelnen Ge schichten geht, sei nicht verraten. Günter Helfrich in GEW-Zeitung Rheinland-Pfalz 11 / 95

Die Unbestimmbarkeit wird zum Beschreibungsmittel. Bärs Figuren verlieren sich im anonymen Stadtleben. In dieses hilflose Taumeln läßt der Autor Wahnideen einbrechen, die nach und nach seine Menschen vollkommen bestimmen. Marion Gottlob in Die Rheinpfalz vom 21.12.95  

Unbehagen kommt bei den sonderbaren Kriminalgeschichten von Hubert Bär auf. Alle enden sie mit einem Mord, der eigentlich keiner ist. Kopfmordenennt er sie, in Gedanken ausgeführt, aber dennoch real erscheinend. Sie beginnen irgendwo, vielfach ohne ersichtliches Motiv. Bärs Geschichten sind schwer zu durchschauen, enthalten aber klare Strukturen, die ein unausweichliches, vernichtendes Ende vermuten lassen. Detailliert beschreibt er dabei Gefühle und Empfindungen und erweist sich als scharfer Beobachter, selbst durch die verzerrte Perspektive eines Spiegels. Christina Altmann in Mannheimer Morgen vom 21.12. 95  

Hubert Bär ... legt neun sonderbare Kriminalgeschichte vor, handlich gebündelt in griffigem Taschenbuchformat. Es sind, was die Lesezeit angeht, gewissermaßen Minutengeschichten; von einer umfangreicheren Geschichte (Berechnung) abgesehen, umfassen sie 2 bis 6 Seiten. Die meisten Titel weisen gängige Elemente der Kriminalstory hin (z. B. Die Tat, Der Auftrag‹, ›Das Motiv). Auch wenn dies als Vorabklärung erscheinen mag, so zeigen die Kurzerzählungen doch schnell, daß der Titel des Bändchens - Kopfmorde - auch auf die Arbeit des Lesers, seine Phantasie, seine Kreativität zielt. Man ist versucht, Lücken zu füllen, die Perspektive zu wechseln, eine weitere Variante zu erzählen, eine ähnliche Geschichte zu denken. Indem Bär geläufige Muster zugrunde zu legen scheint, irritiert er den Leser immer wieder durch überraschende Wendungen, so daß man den Text ein weiteres Mal (und anders) liest. »Dann werden wir nochmals beginnen«, heißt es fast am Ende der zentral angeordneten längeren Erzählung Berechnung, die mit einem geradezu klassisch anmutenden Satz beginnt: »Töten wollte ich dich nicht.« Mehr zu verraten hieße, einen weiteren Kopfmord zu begehen. Klaus Weigel in Passagen 39. Juli / August 96  

Denn nicht immer gönnt der Autor seinem Leser am Ende das beruhigende Gefühl, der Fall sei geklärt. Hubert Bär jedenfalls... tut es nicht. Man weiß nicht einmal, ob seine Kriminalfälle tatsächlich Kriminalfälle sind. Bärs Kopfmorde, skurrile Geschichten zwischen Realität und Wahn, führen ihre Protagonisten m Grenzbereiche. In Die Stimme etwa gelangt der Ich-Erzähler immer mehr zu der Gewißheit, daß höhere Mächte ihm die Verfolgung einer bestimmten Frau befehlen, bis sich schließlich in einer überraschenden Pointe der vermeintliche Verfolger als Verfolgter entpuppt. Elke Bohl in Rhein-Neckar-Zeitung vom 24.6.96

Sonderbar an Hubert Bärs knappen Geschichten ist, daß sie in einer Weise erzählt sind, als passierten sie wirklich und seien zugleich nur gedacht, Kopfmorde eben. Heike Marx in Die Rheinpfalz vom 8.7.96

Dabei handele es sich weder um Kriminalgeschichten »herkömmlicher Prägung«, noch um psychologische Studien. Vielmehr gehe es ihm um »ein Spiel mit Motiven, aus dem sich wie von selbst Geschichten entwickeln«. Manchmal gruselig, manchmal makaber und nicht immer sofort zu durchschauen, erstaunt er sein
Publikum mit ideenreichen Handlungen, unvorhersehbaren Wendungen und hin und wieder auch mit einem tiefschwarzen Humor.
»Gelegentlich muß sich der Leserauch fragen, ob sein Verständnis von der Geschichte begründet ist.« Ein hoher Anspruch für die Leser. hbg in: Mannheimer Morgen vom 12.8.96 

Wahrlich ,sonderbare Kriminalgeschichten hat der Autor Hubert Bär in seinem zweiten Prosaband vorgelegt. Das Sonderbare bei all diesen neun Kurzkrimis: Sie fordern den Leser weitaus mehr, als dies normalerweise der Fall ist. Das gängige Schema: Leiche - Inspektor - Rätselraten um Verdächtige - Fall gelöst: es wird hierbei gänzlich über den Haufen geworfen. Schon der Titel verrät ansatzweise, worauf sich der Leser einläßt, nämlich auf Kopfmorde und immer wieder stellt man sich am Ende einer Geschichte die Frage, ob da nun tatsächlich ein Verbrechen begangen wurde, oder ob der (vermeintliche) Täter sich all das nur vorgestellt hat und der Autor den Leser damit foppen will. Die Geschichten sind damit weniger Fälle für einen Kriminalkommissar, als vielmehr Stories für (mit)denkende Köpfe. Eine ungewöhnliche Art, Krimis zu schreiben, aber für Leute, die diesem Genre normalerweise abhold sind, die richtige und spannende Lektüre. Natürlich auch für alle Krimifans.  ain  in Müllers Unterhaltungsmagazin für Speyer und die Vorderpfalz. Ausgabe 4 / 96  

Aber es ist kein Krimi im herkömmlichen Sinn, obwohl die akribische Detailschilderung des Umfeldes geradezu wie der Einstieg zu einem kurz bevorstehenden Verbrechen wirkt. Die motivisch durchdachten Kopfmorde werden nicht zur Anleitung für Kriminelle. Bärs Personen sind namenlos. Er hatte das Gefühl, beginnen da-
her die Beobachtungen des Mannes im Kaufhaus, auf der Straße. Er entdeckt plötzlich, dass etwas Seltsames mit ihm geschieht. Wie ein neues Organ nach Art eines sechs ten Sinnes entwickelt sich zwischen seine Schultern ein fünf Mark großer Fleck, der auf darauf gerichtete Blicke mit unterschiedlicher Wärme reagiert. So im Linienbus, als er unvermittelt ein Brennen im Nacken spürt, hervorgerufen von der Frau, die ihn mustert. Traudl Stocker in: Heilbronner Stimme vom 14.7.2000  

Man lernt eine Art hervorragend »organisierter« Verfolgergeschichten kennen, die allesamt - trotz ihrer endlichen und »geordneten« Lösungen - versuchen, einen gewissen hintergründigen Humor durchscheinen zu lassen.  Sonderbare Kriminalgeschichten untertitelt Hubert Bär seine Stories und erzählt mit wenigen Gesten
das Psycho-Bild hoffnungsloser menschlicher Leere.
Auch in ,
Die Stimme erlebt man dieses sinnlich-prägnante Verfolgtsein mit äußerst kühlen Spannungsbögen, ... Materielle Lüste steigern sich zu wahren Orgien mit Versatzstücken aus der Werbung (Der Auftrag). Hans D. Eßlinger in Rhein-Neckar-Zeitung vom 16.6.2000

Der Autor lässt die Verbrechen im Kopf seiner Protagonisten geschehen, der Leser spielt das spiel mit den Motiven mit. es sind zynische, böse Geschichten, psychologisch und in einer knappen, witzigen Sprache aufbereitet. Nicole Hess in Die Rheinpfalz vom 5.9.2000

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