Pressestimmen

zurück

Hubert Bär: Verbrannte Legenden. Roman. Verlag Pfälzische Post. Neustadt a.d.W. 1991. ISBN:3-926912-15-4. 224 Seiten. 10 €

Im Mittelpunkt steht eine Gruppe. Eine Gruppe, die sich die Unterstützung der Befreiungsbewegungen in Mittelamerika, besonders der Sandinisten in Nicaragua und der Guerilla in EI Salvador (FMLN) zum Ziel gesetzt hat: Eine Solidaritätsgruppe. Der Roman erzählt, mit welcher Motivation und welcher Vorbelastetheit Einzelne zur Gruppe stoßen: Ein gescheiterter Fotograph, der vom Verfassungsschutz als V-Mann angeworben wird, eine Studentin der Kunstgeschichte, die sich in einen Latino verliebte, von diesem aber verlassen wurde, ein Alt-68er, der in Solidaritätsgruppenpolitisch überlebte und sich nun schwer tut, einen Absprung zu finden. Zwischen Grundsatzdiskussionen, Demonstrationen und Aktionen spielen sich gruppendynamische Prozesse ab. Es kommt zu Freundschaften,
Liebesbeziehungen, zu Differenzen, Auseinandersetzungen, versteckten und offenen Feindseligkeiten, wobei die Chronik der Ereignisse, besonders der in Mittelamerika, die Zeit zwischen der Ermordung des Erzbischofs Romero (1880) und den Wahlen in Nicaragua (November 1984). aber auch der Ereignisse in der Bundesrepublik, die mit der Solidaritäts- bzw. einer  politisch engagieren Protestbewegung in Zusammenhang stehen, die Kulisse bildet.

So gewährt das Beispiel dieser Gruppe nicht nur Einblick in die Geschichte der Solidaritätsbewegung in der Bundesrepublik, sondern auch in das Experiment einer ‚Alternativen Lebensform’. Es zeigt den Versuch eines moralisch gerechtfertigten, aber zugleich lustvollen Handelns in einem Bereich, der das Politische mit dem Privaten, das Private mit dem Politischen verbindet, den Versuch, in einem Kollektiv zu leben, das ohne Protagonisten auskommt.